Hast du schon mal erlebt, dass du oder eine dir nahestehende Person Verrat, Missbrauch oder Lügen ignoriert oder unbewusst verdrängt hat, um ihre Beziehungen, Weltanschauungen oder sozialen Strukturen aufrechtzuerhalten?
Es gibt einen Begriff, den Dr. Jennifer Freyd geprägt hat und der dieses Verhalten beschreibt: Betrayal Blindness.
Besonders bei Betroffenen von narzisstischem Missbrauch spielt diese Blindheit eine zentrale Rolle, da sie sich selbst oft die Schuld für das Geschehene geben.
In diesem Artikel gebe ich dir wichtige Infos über Betrayal Blindness und erkläre dir, was hinter diesem Verhalten steckt und wie du damit umgehen kannst.
Die evolutionäre Grundlage von Betrayal Blindness
Wie die Forschung von u. a. Dr. Freyd zeigt, sind wir Menschen von Natur aus in der Lage, Verrat zu erkennen. Daher stellt sich die Frage, wie es überhaupt zu so einem Phänomen wie Betrayal Blindness kommen kann.
Das liegt daran, dass das bewusste Erkennen von Verrat in bestimmten Situationen (z. B. bei Abhängigkeiten) als gefährlich oder bedrohlich empfunden werden kann. In solchen Fällen unterdrückt das Gehirn die Wahrnehmung, um Sicherheit und Stabilität zu bewahren. Ein anschauliches Beispiel dafür ist ein Kind, dass von seinen Eltern abhängig ist und z. B. schwerwiegende Dinge wie Missbrauch und Vernachlässigung ignoriert oder verdrängt, damit es weiterhin in der für es überlebenswichtigen Verbindung bleiben kann.
„Betrayal Blindness“ geht häufig mit Selbstbeschuldigung einher
Vielleicht kennst du das Gefühl, dir selbst die Schuld für das Verhalten der narzisstischen Person zu geben. Das passiert oft, um ihr Handeln zu rechtfertigen oder die Beziehung nicht infrage stellen zu müssen.
Diese Selbstbeschuldigung ist ein typisches Muster, das viele Menschen mit Trauma erleben. Vielleicht denkst du manchmal, dass du „nicht gut genug“ bist oder dass du etwas falsch gemacht hast, weil die Beziehung so schwierig ist. Genau dieser Gedanke kann dich in einem Kreislauf aus Schuldgefühlen und Rechtfertigungen gefangen halten.
Um das besser zu verstehen, lass uns die Dynamik dahinter genauer anschauen, indem wir uns die Frage stellen, welchen Zweck Selbstbeschuldigung erfüllt:
Selbstbeschuldigung kann dir das Gefühl geben, zumindest etwas Kontrolle über die Situation zu haben. Wenn du denkst, dass die Schuld bei dir liegt, könntest du glauben, die Situation durch dein Verhalten ändern zu können. Doch in Wahrheit hält dich genau dieser Gedanke oft in der toxischen Beziehung fest.
Gaslighting verstärkt die Verratsblindheit
Gaslighting verstärkt die Verratsblindheit
Narzisstische Personen verstärken diese Verratsblindheit oft durch Gaslighting. Das bedeutet, sie manipulieren deine Wahrnehmung so, dass du beginnst, an dir selbst zu zweifeln. Vielleicht hast du schon erlebt, dass deine Wahrnehmung von einer anderen Person infrage gestellt wurde.
Gaslighting kann dich glauben lassen, dass du überreagierst oder falsch liegst. Diese Manipulation verstärkt nicht nur deine Selbstzweifel, sondern führt oft auch dazu, dass du den Verrat ignorierst, statt ihn bewusst wahrzunehmen.
Verbindung zu Kindheitstraumata
Wenn du dich manchmal fragst, warum du dazu neigst, dir selbst die Schuld zu geben, kann die Ursache dafür in deiner Kindheit liegen. Kinder neigen oft dazu, die Verantwortung für Missbrauch zu übernehmen, um das Bild ihrer Eltern als „gut“ oder „schützend“ aufrechtzuerhalten.
Dieses Muster kann sich bis ins Erwachsenenalter fortsetzen. Vielleicht merkst du, dass du dich selbst beschuldigst, weil du die Vorstellung nicht ertragen kannst, dass dir von einer geliebten Person Schaden zugefügt wurde.
Dissoziation und Rationalisierung als Bewältigungsstrategien
Um den Schmerz des Verrats nicht spüren zu müssen, greifst du vielleicht unbewusst auf Strategien wie Dissoziation oder Rationalisierung zurück. Das bedeutet, dass du dich emotional „abkoppelst“ oder den Missbrauch als etwas „Normales“ darstellst, das in jeder Beziehung vorkommen könnte.
Diese Strategien mögen kurzfristig helfen, die Situation zu ertragen, hindern dich aber oft daran, die Realität des Missbrauchs klar zu erkennen. So bleibst du womöglich in der Dynamik der Beziehung gefangen.
Den Kreislauf durch Bewusstsein durchbrechen
Der erste Schritt, um diesen Kreislauf zu durchbrechen, ist, den Verrat bewusst wahrzunehmen und zu benennen. Du könntest dir zum Beispiel sagen: „Ich werde gerade verraten.“
Therapie oder meine SOS-Beratung sowie ein unterstützendes soziales Umfeld können dir dabei helfen, dieses Muster zu durchbrechen. Sie bieten dir die Möglichkeit, Selbstbeschuldigung zu hinterfragen und deine Wahrnehmung zu stärken.
Mehrere Wahrheiten akzeptieren
Es mag schwierig sein, aber versuche dir zu verdeutlichen, dass es mehr als eine Wahrheit gibt. Es gibt meist mehrere Realitäten, die gleichzeitig existieren können: Du kannst zum Beispiel jemanden lieben und trotzdem erkennen, dass diese Person dich verletzt oder verraten hat.
Diese Akzeptanz kann dir helfen, realistische Lösungen zu finden – ohne dir selbst die Schuld zu geben. Es ist ein wichtiger Schritt, um dich aus der toxischen Dynamik zu befreien.
Verratsblindheit als Überlebensmechanismus verstehen
Wenn du das Gefühl hast, dass du den Missbrauch nicht klar sehen konntest, erinnere dich daran: Betrayal Blindness ist keine Schwäche. Sie ist eine Überlebensstrategie, die darauf abzielt, ein Gefühl von Sicherheit und Normalität zu bewahren.
Dieses Verständnis kann dir helfen, dich selbst nicht zu verurteilen. Es erklärt auch, warum du dich vielleicht schämst oder von anderen als „blind“ für den Missbrauch wahrgenommen wirst.
Wege zur Heilung
Heilung beginnt auf jeden Fall mit dem Verständnis der Dynamiken von Betrayal Blindness und Selbstbeschuldigung. Der nächste Schritt ist, den Verrat anzuerkennen und dich von der Vorstellung zu lösen, dass du selbst „schuld“ bist.
Therapie, das Aufarbeiten innerer Konflikte und die Unterstützung durch andere – etwa durch Selbsthilfegruppen oder soziale Netzwerke – können dich dabei unterstützen. Es ist außerdem auch empfehlenswert, Konzepte wie radikale Akzeptanz zu üben und realistische Erwartungen an den Heilungsprozess zu entwickeln.
Verratsblindheit ist ein natürlicher, aber häufig schädlicher Überlebensmechanismus. Wenn du beginnst, die dahinterliegenden Muster zu verstehen, kannst du dich mit mehr Mitgefühl betrachten und Schuld- sowie Schamgefühle loslassen. Das Wissen darum, dass du nicht allein bist und es Wege zur Heilung gibt, kann dir Mut machen, den nächsten Schritt zu gehen.
Wenn du gerade das Gefühl hast, den Boden unter den Füßen zu verlieren, dich in Schuld und Scham verstrickst und nicht mehr weißt, was richtig oder falsch ist, möchte ich dir sagen: Du bist nicht allein. Es gibt Wege, wieder klarer zu sehen, dein gebrochenes Herz zu heilen und dich selbst aus dieser Verzweiflung zu befreien.
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